Keine Quellensteuer in Großbritannien und quartalsweise Dividende – lohnt sich das für deutsche Anleger?

London ist noch vor Frankfurt am Main der wichtigste Börsenplatz in Europa und einer der führenden Finanzstandorte der Welt. Nur die New Yorker Börse (NYSE) ist größer als die London Stock Exchange (LSE). An der Londoner Börse sind rund 2000 Unternehmen aus über 100 Ländern notiert. Die Tatsache, dass in London ebenso wie im Rest von Großbritannien keine Quellensteuer erhoben wird, macht diesen Finanzplatz für viele Anleger aus aller Welt so attraktiv.

Viele Aktionäre investieren gerne in deutsche Firmen, einige allerdings auch gerne im Ausland. Fakt ist jedoch, dass die meisten Anleger nicht wissen, welche Bedingungen beim Kauf von Aktien im Ausland zu beachten sind und ob es sich überhaupt lohnt, Aktien in anderen Ländern zu kaufen. Gerade was die Besteuerung angeht, ist es durchaus möglich, dass das Geschäft mit internationalen Aktien schwieriger zu verstehen ist.

Gleichzeitig kommen Währungsunterschiede dazu, die sich bei der Zahlung von Dividenden oder bei Veräußerungsgewinnen ebenfalls positiv sowie negativ auswirken können.

In Deutschland fällt, wie in vielen anderen Ländern eine Quellensteuer an. Das bedeutet, dass die Steuer direkt an der „Quelle“ einbehalten wird, aus der die zu besteuernden Einkünfte stammen.

In Großbritannien existiert eine solche Quellensteuer nicht. Dividendeneinkünfte und Veräußerungsgewinne unterliegen für Anleger aus Deutschland der deutschen Kapitalertragssteuer.

Quartalsweise Dividende – was bedeutet das?

Bei den meisten deutschen börsennotierten Unternehmen werden die Dividenden jährlich ausbezahlt. Einer Umfrage zufolge würden mehr als 50 % der deutschen Aktionäre eine quartalsweise Dividendenzahlung bevorzugen.

Zahlreiche Unternehmen, die in Großbritannien an der Börse gehandelt werden, zahlen ihren Anlegern nicht nur einmal im Jahr, sondern quartalsweise oder zumindest halbjährig eine anteilige Dividende. Die Dividende wird somit auf bis zu vier Auszahlungszeitpunkte aufgeteilt.

Ein Vorteil für die Anleger besteht darin, dass sie auch dann eine Dividende erhalten, wenn sie nur wenige Monate in eine Aktie investiert sind. Wer als Anleger seine Dividenden reinvestieren möchte, kann das vier Mal pro Jahr tun und hat auf diese Art mehr Geld im Markt, das unterjährig Erträge erwirtschaftet. Das verstärkt den Zinseszins-Effekt. Und erhöht die Profitabilität.

Darüber hinaus ist der Kursabschlag am Tag der Dividendenzahlung deutlich geringer, als wenn beispielsweise die gesamte Dividende an einem Tag im Jahr ausgezahlt wird. Das ist jedoch nur eine Kurskosmetik, da der Kursabschlag nur ein Herausrechnen der Dividende vom tagesaktuellen Kurs zum Stichtag ist. Der Betrag der bezahlten Dividende wird vom laufenden Aktienkurs abgezogen. Eine Aktie aus Großbritannien mit quartalsweiser Dividendenzahlung kann also durchaus attraktiv sein.

Welche Aktien aus Großbritannien zahlen quartalsweise Dividende?

Quellsteuern in Großbritannien
Im Vereinigten Königreich sind viele der größten Aktiengesellschaften der Welt beheimatet. Zahlreiche weltbekannte Firmen wie beispielsweise Unilever, Barclays und BP haben ihren Sitz in Großbritannien und sind an der Londoner Börse (LSE) gelistet. Sie bezahlen die Dividenden quartalsweise aus.

Der FTSE 100 oder der Financial Times Stock Exchange Index ist der wichtigste britische Aktienindex. Er bildet die Kursentwicklung der 100 größten und umsatzstärksten Unternehmen der Londoner Börse ab. In diesem Index sind bekannte Unternehmen aus den Bereichen Banken, Bergbau, Pharma, Rohstoffe, Öl & Gas, Getränke und Telekommunikation gelistet.

Beispiel 1: UNILEVER

Sehen wir uns die quartalsweisen Dividendenzahlungen am Beispiel von UNILEVER an.

Der weltweit tätige Konsumgüterhersteller mit so bekannten Marken wie Langnese, Ben&Jerry’s oder Lipton hatte bis vor wenigen Jahren einen doppelten Konzernsitz. Eine der beiden Zentralen war Rotterdam in den Niederlanden und die andere in Großbritannien. Diese wurden im Jahr 2020 in einer einzigen Zentrale in London zusammengefasst und der weltweite Firmensitz wurde dort angesiedelt.

UNILEVER schüttet vier Mal jährlich Dividenden an seine Anteilseigner aus. In folgenden Monaten können sich die Aktionäre über Zahlungen freuen:

März

Juni

September

Dezember

Die Vorteile für die Aktionäre liegen auf der Hand. Sie haben einen regelmäßigen Cashflow, den sie sofort reinvestieren können. Sie müssen nicht ein ganzes Jahr lang auf die Hauptversammlung warten, um ihre Ausschüttung zu erhalten. Auch wer seine Dividenden als regelmäßiges passives Einkommen nutzt, kann sich viermal im Jahr über Auszahlungen freuen.

Beispiel 2: Shell

Ein weiteres Beispiel für quartalsweise Dividendenzahlungen ist das Unternehmen Shell PLC, welches bis vor kurzem noch unter dem Namen Royal Dutch Shell vertreten war. Shell ist ebenfalls durch die Fusion eines niederländischen sowie eines britischen Konzerns entstand.

Ein Teil der Aktien kann in den Niederlanden, der andere Teil in Großbritannien gehandelt werden. Wer sich für die Aktie in Großbritannien entscheidet, muss die „Shell PLC“ Aktie (WKN: A3C99G) suchen.

Derzeit notiert die Aktie bei rund 26,93 Euro. Die Dividende beläuft sich auf 1,00 US-Dollar im Jahr, was etwa 0,94 Euro entspricht. Vier Mal im Jahr wird aktuell eine Dividende in Höhe von 0,25 Dollar gezahlt, was im Jahr einer Dividende von aktuell rund 3,49% entsprechen würde. (Stand: Juni 2022)

Welche Risiken haben Investitionen in Aktien von Unternehmen, die in Großbritannien gelistet sind, für deutsche Anleger?

Die unternehmerischen Chancen und Risiken entwickeln sich bei weltweit tätigen Aktiengesellschaften relativ unabhängig vom Heimatmarkt. Es ist egal, ob sie in Frankfurt, New York oder in London an der Börse gelistet sind.

Für den deutschen Anleger spielt es jedoch eine Rolle, ob der Aktienhandel und die Dividendenzahlungen in Euro oder in einer fremden Währung ausgeführt werden. Das Wechselkursrisiko kann für ihn in die eine, wie in die andere Richtung wirken.

Und das wiederum wirkt sich auf die Kauf-und Verkaufserlöse der Aktien aus. Ebenso wie auf die laufenden Dividendenzahlungen.

Wenn eine Transaktion wie ein Ankauf oder Verkauf von Aktien in einer Fremdwährung vollzogen wird, hat man neben dem Kursrisiko der Aktien noch zusätzlich das Wechselkursrisiko der Fremdwährung. Da die zwei beteiligten Währungen gegeneinander verrechnet werden, kann eine Aktie mit dem exakt gleichen Kurswert in Pfund bei einem späteren Verkauf mehr (oder weniger) einbringen, je nachdem, wie sich der Wechselkurs zwischen Euro und Pfund Sterling in der Zeit zwischen An-und Verkauf entwickelt hat.

Die laufenden Dividendenzahlungen können bei Wechselkursschwankungen ebenfalls unterschiedlich ausfallen.

Warum ist das so?

Die Dividenden werden am Stammsitz der Aktiengesellschaft in England in der Landeswährung Pfund Sterling ausbezahlt. Auf dem Konto des deutschen Investors werden diese Dividenden in der Regel jedoch in Euro gutgeschrieben. Die kontoführende Bank tauscht die Dividenden von der fremden Währung (GBP) zum aktuellen Tageskurs in die eigene Währung (Euro) um. Im Hintergrund läuft ein zusätzlicher Devisenhandel ab, von dem der Aktionär nichts mitbekommt. Bei einem Wertverlust des Euro gegenüber dem Pfund bekommt er dann mehr Euros für seine Pfund Sterling. Es kann natürlich auch andersherumlaufen und die kassierten Pfund bringen weniger Euros ein. Mit Kursschwankungen ist auf jeden Fall zu rechnen.

Sind Quellensteuern ein notwendiges Übel oder geht es auch ohne?

(Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine steuerliche Beratung durch einen Steuerberater – bitte wenden Sie sich in steuerlichen Angelegenheiten an einen Fachmann!)

Anleger können ihr Geld heutzutage unkompliziert weltweit anlegen. In vielen Ländern wird eine Quellensteuer erhoben. Die Sätze variieren zwischen null Prozent wie in Irland* oder Großbritannien und 35 Prozent in der Schweiz.

*Irland ist ein Spezialfall: Der grundsätzliche Quellensteuersatz beträgt 20 Prozent. Für Privatpersonen wird er auf null gesenkt.

Bei Quellensteuern handelt es sich um einen prozentualen Anteil, den viele (Quellen-)Staaten bei beispielsweise der Zahlung von Dividenden einbehalten, sozusagen an der „Quelle“ abschöpfen. Es gibt zahlreiche Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den beteiligten Ländern, damit die Anleger nicht oder nur begrenzt doppelt besteuert werden.

Bei Aktienbesitzern aus Deutschland, die ausländische Titel halten, fallen Abgeltungssteuern auf Zinsen, Dividenden und Veräußerungsgewinne an. Dazu kommt die Quellensteuer in dem Land, in welchem die Aktiengesellschaft ihren Sitz hat (= Quellenstaat).

Generell gibt drei Möglichkeiten, mit der Quellensteuer zu verfahren.

  1. Man kann sich vorab per Antrag von der Bezahlung der Quellensteuer befreien lassen.
  2. Bei einigen Ländern kann man sie mit der deutschen Abgeltungssteuer verrechnen lassen.
  3. Bei manchen Ländern muss man sie zwar bezahlen, kann sie aber dann in einem mehr oder weniger komplizierten Verfahren zurückfordern.

Anmerkung: Um das Steuerthema nicht allzu sehr zu vertiefen, haben wir es nur kurz angerissen, um die grundsätzliche Thematik der Quellensteuer zu zeigen. Zu weiterführenden Informationen konsultieren Sie bitte Fachleute zum Thema.

Warum Großbritannien für Investoren attraktiv ist?

  1. Die Quellensteuer liegt bei null Prozent und deutsche Anleger müssen lediglich ihre deutsche Abgeltungssteuer bezahlen.
  2. London ist eines der bedeutendsten Finanzzentren der Welt und verfügt über die breiteste Basis an Investoren aller Börsen weltweit. Das bedeutet stets große Liquidität für Investoren und Anleger aus der ganzen Welt.
  3. Viele der britischen Unternehmen sind global tätig und der Heimatmarkt spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.
  4. Die Unsicherheit über die Folgen des Brexit zog sich über mehrere Jahre hin. Die Zurückhaltung der Investoren hatte neben dem britischen Pfund auch für den britischen Aktienmarkt eine schlechte Performance zur Folge. Dies führte zu einer Unterbewertung der Aktien im FTSE 100. (Rückschlüsse für die Zukunft können aus dieser Tatsache jedoch nicht gezogen werden.)
  5. Viele Anleger waren unsicher, was ein Investment in britische Aktien betraf und hielten sich mit Investitionen in diesem interessanten Markt jahrelang zurück. Bei genauerer Betrachtung des Geschäftsmodells vieler der im FTSE 100 gelisteten Gesellschaften lässt sich Folgendes feststellen: Die meisten der Unternehmen sind sehr auf Export und weltweiten Handel eingestellt. Der britische Heimatmarkt mit allen Problemen ist zwar vorhanden, doch die Kunden und Geschäftsmöglichkeiten finden sich auf der ganzen Welt.
  6. Die englische Regierung will als Antwort auf die unruhigen Zeiten des BREXIT den Finanzplatz London weiter stärken und sogar ausbauen. Es sollen neue Investoren und frisches Kapital an die Themse gelockt werden. Daher ist mit einer zurückhaltenden Regulierung für den heimischen Kapitalmarkt und einer entsprechenden Steuergesetzgebung zu rechnen, um potenziellen Investoren die Entscheidung für den Standort zu erleichtern.

Fazit

Britische Aktien können für deutsche Anleger eine interessante Anlagemöglichkeit sein. Vor allem der Fakt, dass keine Quellensteuer erhoben wird ist sehr positiv.

Quartalsweise Auszahlungen der Dividenden sind interessant. Für Investoren, die ihr Geld reinvestieren wollen, erhöht es die Profitabilität. Für Anleger, die ein passives Einkommen aus Dividenden beziehen, sind die Zahlungsintervalle kürzer.

Es kann Wechselkursschwankungen geben, die sich zum Vorteil oder zum Nachteil der Anleger auswirken können.

Eine Aufwertung des Pfund Sterling kann britischen Firmen, die weltweit Geschäfte machen, Probleme bereiten. Die Abwertung bewirkt dementsprechend das Gegenteil.

Die englische Regierung wird auch in Zukunft den Finanzplatz London fördern.

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