Bieterverfahren für Air Berlin – Mehrere Interessenten

Bisher wird davon ausgegangen, dass sowohl die Lufthansa, die britische Fluggesellschaft Easyjet als auch Condor (Thomas Cook Tochter) Interesse an Air Berlin haben.

Da die insolvente Fluggesellschaft allerdings mit einem relativ hohen Schuldenberg belastet ist, hat keiner – außer dem Unternehmen Wöhrl sowie Ryanair – ein Interesse an einer Komplettübernahme dieser Fluggesellschaft. Jedoch müsse zuerst die tatsächliche wirtschaftliche Lage von Air Berlin geklärt werden, bevor sich die Interessenten mit einem konkreten Angebot melden könnten.

Die in den Reisekonzern Tui integrierte Fluggesellschaft Tuifly ist vor allem an der Besatzung und den Flugzeugen interessiert. Letzteres gehört allerdings gar nicht mehr zu Air Berlin, da mittlerweile alle Flugzeuge nur noch geleast sind.

Nachteile einer Komplettübernahme von Air Berlin

Falls Air Berlin komplett durch die Lufthansa übernommen werden sollte, können sich dadurch – wie bereits in der Vergangenheit bei ähnlichen Monopolstellungen gesehen – bedeutende Nachteile für die Passagiere ergeben: In der Vergangenheit sind in einem ähnlichen Fall die Preise auf den betroffenen Strecken durch den fehlenden Wettbewerb signifikant angestiegen.

Stand der Verhandlungen

Es wird höchstwahrscheinlich kein Monopol durch die deutsche Lufthansa erzeugt werden, da sonst die Konkurrenz zu gering und damit die Preise zu hoch werden könnten. Daher wird es nach aktuellen Erkenntnissen keine Aufspaltung geben. Andererseits wird darauf hin gewesen, dass sich niemand nur die besten Teile dieser Fluggesellschaft sichern darf, sondern eine gerechte Aufteilung sehr wichtig ist. Es wird darüber nachgedacht, Niki komplett an die Lufthansa zu übergeben. Dazu müsste allerdings noch der Ausschuss zustimmen. Auch Condor ist für Mittelstreckenflüge an der Tochter Niki interessiert.

In den vergangenen Jahren wurde sichtbar, dass das bisherige Geschäftsmodell von Air Berlin nicht zum Erfolg geführt hat. Daher wird davon abgeraten, dass jemand die Gesellschaft als Ganzes übernehmen sollte. Besonders wichtig ist jedoch, dass auf den Erhalt der Arbeitsplätze und auch die Arbeitsverhältnisse der Beschäftigten geregelt bleiben.

Da es aktuell einige Interessenten gibt, wurde die Beurteilung über den Verbleib der Tochter Niki auf nächste Woche verschoben. Niki hat momentan 35 Flugzeuge geleast. 75 Flugzeuge gehören dem Leasingvertrag nach zur Kernflotte, wovon 17 auf Langstrecken eingesetzt werden. Es wurden bereits 38 Flugzeuge an die Lufthansa-Tochter Eurowings und weitere fünf an die ebenfalls Lufthansa-Tochter Austrian Airlines weitervermietet.

Chronologie zu den bisherigen Ereignissen

In der vergangenen Woche wurde von der deutschen Fluggesellschaft Air Berlin ein Insolvenzantrag eingereicht, da ihr bisheriger großer Unterstützer Etihad nicht mehr bereit ist, weiterhin Geld hierfür zu investieren. Für die nächsten drei Monate soll der Betrieb durch einen Kredit des Bundes sichergestellt werden. Daher bleibt gerade alles noch beim Alten.

Mehr als jedes zweite Reisebüro hingegen bietet keine Flüge mehr von Air Berlin oder Niki zum Kauf an. Nur noch bei jedem zehnten Reisebüro ist eine solche Flugbuchung noch uneingeschränkt möglich.

Air Berlin gibt es nun schon seit bereits ungefähr 40 Jahren. Erst als Charterfluggesellschaft gegründet, wurde sich später durch ihre Mallorca-Flüge bekannt und im Laufe der Zeit zur zweitgrößten Fluggesellschaft hinter der Lufthansa aufstieg, anschließend Niki übernahm und an die Börse ging. Anschließend kamen durch wechselnde Konzernchefs veranlasste Sparprogramme und Jahre später der Insolvenzantrag.


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